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Zurück in Deutschland? || Neuseeland #014

Jaja. Dieser Titel. Clickbait af.
Während Anton aus privaten Gründen für knappe zwei Wochen in Deutschland ist, wurde mir (Till) die wichtige Aufgabe übertragen einen Blog zu verfassen.

Da ich kein Fan davon bin in einer Aufzählung Punkt für Punkt zu berichten, was ich hier zwei Wochen alleine gemacht habe und weil ich nicht dafür verurteilt werden möchte, mir beispielsweise den neuen Star Wars Teil ein zweites und drittes Mal gegeben zu haben, wird dieser Blog vom Aufbau und Inhalt ein bisschen von den bisherigen abweichen.

Lesen Sie daher im Folgenden Gefühlseindrücke, Gedanken und Erlebnisse aus dem Backpackerleben. Verfasst in der zweiten Person Singular. Kurzgeschichten aus Neuseeland (:

 

Feierabend

Es ist kurz vor 18 Uhr. Du sitzt die Beine verschrenkt auf dem Fahrersitz deines Vans. Das Ding stand 8 Stunden in der prallen Sonne und hat eine dermaßen abnormale Hitze erreicht, dass du nur auf Frodo Beutlin wartest, der einen Ring in dein Gefährt schmeißen will.
Mit Schweiß auf der Stirn löffelst du ungekochten Uncle Bens Reis aus einer Plastik Tüte. Du erinnerst dich an heute Morgen, als du anstatt etwas für nach der Arbeit zu kochen den Wecker ausgemacht und dich auf die andere Seite gedreht hast. Bei dem Gedanken verziehst du wütend das Gesicht und greifst nach deinem Handy. Du machst dir etwas Musik an. Musik die dir gefällt. Die letzten 8 Stunden wurdest du von den anderen Farmarbeitern mit schlechtem, französischem Rap und Khalid beschallt. Dieser verdammte Khalid. Du hörst seine Lieder sogar in deinen Träumen. Deinen Alpträumen!
Dein vorzügliches Abendessen ist aufgegessen und du startest den Motor deiner Sauna auf vier Rädern.

 

“Smalltalk”

Du reißt eine Kiwi ab und schmeißt sie auf den Boden. Noch eine. Und noch eine. Die ist zu klein. Diese zu breit. Und die da findest du einfach nur hässlich. Du machst das jetzt seit gut einer Woche und es fühlt sich immer noch komisch an. Essbare Früchte aufgrund ihres Aussehens auf den Boden zu schmeißen.
Du hast aus der Vergewaltigung deiner Ohren in den letzten Tagen gelernt und stehst nun mit Kopfhörern auf dem Feld. Du lauschst den Abenteuern der drei Fragezeichen. Und gerade als Justus Jonas kurz davor steht das Rätsel des Tigers zu lösen tippt dir jemand auf die Schulter. Du nimmst einen Kopfhörer heraus und guckst fragend in das freundliche Gesicht einer jungen Frau mit Dreadlocks und einer guten Portion Sommersprossen. “Hey, I am Kylie, whats your name?”.
Du gehst im Kopf schnell deine Optionen durch. Einen Schlaganfall vortäuschen, wegrennen oder “Sorry, no English! I no speak English” erscheinen dir leider nicht umsetzbar. Also pausierst du dein Hörspiel und lässt dich auf ein bisschen Smalltalk ein.
Zwei Stunden später bist du in der Lage eine dreiteilige Biographie über Kylie zu schreiben. Du bist zwar ein wenig genervt, aber trotzdem froh darüber, dass du dich auf den Monolog mit der 24 jährigen Australierin, welche nach 2 Jahren Ausbildung in der Farmerbranche gemerkt hat, dass sie für einen Einstieg ins Berufsleben noch nicht bereit ist, weshalb sie nun seit einem halben Jahr durch Neuseeland reist um ihre innere Mitte zu finden, eingelassen hast. Du bist froh darüber, weil du siehst wie gut es Kylie getan hat mit dir zu reden. Sie verabschiedet sich mit einem breiten Grinsen von dir und bedankt sich für das “Gespräch”, als sie vom Supervisor einer neuen Reihe zugeteilt wird. Und auf einmal kannst du diesen Supervisor richtig doll leiden. Unglaublicher sympathischer Kerl. Dufter Typ.

 

Adrenalin

Du bist angespannt. Immer wieder blickst du dich nervös um. Du schaust ob du beobachtet wirst. Dann gibst du den vierstelligen Geheimcode in das kleine Gerät vor dir ein. Die Anspannung steigt in dir. Gleich weißt du ob die Mission erfolgreich war oder fehlgeschlagen ist. Das komplexe Hightech Gerät vor dir arbeitet eifrig. Dann blinkt der Bildschirm auf: “ACCEPTED”.
Erleichtert nimmst du deine Einkäufe und verlässt den Supermarkt. Es ist Dienstag und das Gehalt der letzten Woche ist anscheinend endlich auf dem Konto. Bei dem Gedanken stürzt du deine Pläne heute Abend zu kochen über den Haufen und denkst dir: “Boah. Da kann ich mir ja eigentlich ‘ne Pizza gönnen”.
Du bist ein Vollidiot denkst du dir, als du zwei Pizzen später und 20 Dollar ärmer vollgefressen auf dem Campingplatz stehst.
Neben dir auf dem Beifahrerplatz sitzt das gerade eingekaufte Quinoa und guckt dich enttäuscht an.

 

Breakfast

Du schlenderst durch die Innenstadt von Tauranga auf der Suche nach einem Café zum frühstücken. Nahe einer Kreuzung entdeckst du einen kleinen Imbiss und studierst die Karte vor der Tür. Dir sagt zu was du liest und du betrittst den Laden.
Freundlich erkundigst du dich, ob das vegetarische Menü auch ohne Rührei zubereitet werden kann und dann vegan ist. Du würdest aussehen als könntest du ein paar Proteine gebrauchen, bekommst du als Antwort.
Das ist ziemlich lustig. Denn du bist ein richtiger Lauch. Und in Eiern stecken ganz viele Proteine. Du guckst auf die fette Plautze des dir gegenüber stehenden Carnivoren und denkst dir das reicht als Konter.
Du bereitest dich auf den üblichen Veganen-Bullshit Smalltalk vor und wirst nicht enttäuscht: Ob du das ganze denn aus Tierliebe machen würdest. Nein. Aus purem Pflanzenhass. Trottel.
Du wünschst einen schönen Tag und entscheidest dich für dein Frühstück doch eine andere Örtlichkeit aufzusuchen.

 

Wertschätzung

Du bist glücklich.
Es sind die kleinen Dinge. Das hast du bisher in den zwei Monaten Neuseeland erkannt.
In Boxershorts auf dem Campingstuhl. Aus der Musikbox Irie Révoltés, PTK und Lil Peep.
Im Schatten von ein paar Palmen beobachtest du die Möwen.
Zeit für ein Résumé. Was hast du so gelernt.
Du hast es zu schätzen gelernt, jemanden zum Reden zu haben und vermisst deinen Reisegefährten, der immer ein offenes Ohr hatte.
Du hast es zu schätzen gelernt, wenn es etwas Gutes zu essen gibt, denn jeden Tag Pizza ist halt doch nicht so das Wahre.
Du hast es zu schätzen gelernt, Strom, fließendes Wasser und einen warmen Schlafplatz zu haben.
Aber vorallem hast du es zu schätzen gelernt, dass du das hier machen darfst. Diese Erfahrung.

 

 

Till Schott
Till Schott
wurde 1999 in Bad Homburg geboren. Als leidenschaftlicher Outdoor & Adrenalin Junkie sucht er immer den nächsten Nervenkitzel. Er liebt es zu essen ;)

6 Kommentare

  1. Christine sagt:

    Super geschrieben, Till, du kannst es auch 👍 Bin ein Fan von eurem Blog, mag auch Antons Beiträge sehr gern. Finde ganz toll, was ihr da macht, beneide euch ein bisschen, ja, ja, man müsste nochmal 20 sein 😀.

    Wer bin ich nun? Freundin von Tante Helga, habe euer Projekt von Anfang an mit großem Interesse verfolgt.

  2. Jakob sagt:

    Eigentlich bin ich kein wirklicher Blogleser aber dieser Eintrag hat mir sehr gut gefallen.

  3. Klaus sagt:

    Ganz großes Kino Till. Grandios geschrieben.

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