Mit Mama durch NZ || Neuseeland #056
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Teletubbie || Neuseeland #058
5. Oktober 2018

24.09.

Ich sitze in dem wunderschönen Garten eines Café – das erste dieser Art, das ich hier in Neuseeland gesehen habe – und muss mein Versprechen an Anton einlösen, einen Blockbeitrag zu schreiben. Es widerstrebt mir mitten an einem fantastischen Frühlingstag in der Sonne vor dem PC zu sitzen, aber da wir die Zeit tot schlagen müssen bis zur nächsten Ebbe, werde ich mal versuchen meine erste Woche in Neuseeland zusammenzufassen.

Wir haben die Nacht auf einem Stellplatz am Meer verbracht. Beim Öffnen der Hecktüren: Freie Sicht vom Bett auf das Meer. Ein Traum! Ich starte zu einem kleinen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden. Der Weg geht entlang des Meeres vorbei an Häusern, deren Gärten mit dem Weg verschwimmen. Fast hat es den Eindruck, als würde der Weg über private Gärten führen. Ich bin unsicher und kehre zurück, nachdem ich eine Schaukel im Baum genutzt habe, mit der ich über das Merr schwingen konnte.

Zurück bei den Autos starten wir unsere heutige Route. Sie führt uns zum nächsten Wasserfall inmitten eines Parks der Stadt Whangarei. Die weitere Tour führt uns weiter durch Northland Richtung Norden. Nach kurzer Wanderung durch den Busch bei Matapouri kommen wir zu einem hoch gelegenen Naturschwimmbecken mit türkisfarbenen Wasser. Jule ist die einzige die sich traut und im Eva-Kostüm schwimmen geht. Anton und ich sitzen am Rand. Anton versucht Fotos von Jule beim Auftauchen zu schießen. Wir geben Tipps, was sie wie machen soll und fühlen uns wie bei GNTM: Ich Heidi Klum, Anton einer der Star-Fotografen.

Auf unserer weiteren Strecke stoppen wir noch kurz um einen Felsen im St. Pauls Scenic Reserve zu erklimmen, der uns einen guten Rundumblick ermöglichen soll. Leider kommt ein kurzer Regenschauer just in dem Moment, als wir an der Spitze ankommen. Das Licht für gute Fotos ist mäßig, dafür werden wir mit einem wunderschönen Regenbogen entschädigt.

Wir übernachten schließlich auf einem Campingplatz am Meer in unmittelbarer Nähe: mit warmen Duschen und Waschmaschine.

25.09.

Nach einer Waschmaschinenladung und  dem Auffüllen unseres Wassertank setzen wir unsere Reise zum Cap Reinga, der nördlichsten Spitze Neuseelands, fort. Auf der Strecke halten wir an einer Bucht und ich komme mit einem deutschen Paar um die 80 ins Gespräch. Sie sind mit dem Wohnmobil auf einer dreimontatigen Reise durch Neuseeland unterwegs. Seit 1988 besitzen sie ein eigenes Wohnmobil, mit dem sie bereits vieles auf dieser Welt gesehen haben. Unter anderem sind sie mit dem eigenen Mobil durch die USA gereist. WOW, ein Geschenk so alt noch aktiv sein zu können.

WIr machen noch einen kurzen Stop an einem See, dessen Wasser die Farbe von Coca-Cola hat, daher auch der Name: Coca-Cola-Lake. Wir beenden den Tag auf einem Campingplatz am Ninty-Miles-Beach, direkt hinter den Dünen. Da wir morgen mitten in der Nacht starten wollen, um zum Sonnenaufgang am Cape zu sein, beschließe ich, meinen Übernachtungsort-Erkundungsrundgang am Abend zu machen. Da es hier nichts gibt als Strand, wird es ein langer Strandspaziergang. Ich finde an die 50 Jakobsmuscheln auf einer Stelle, als hätte dort jemand seine Muschelsammlung ausgeschüttet. Nicht nur die Jakobsmuscheln erinnern mich an den Jakobsweg, sondern auch die anderen Übernachtungsgäste: Ausschließlich Wanderer, die den “Te Araroa”-Trail gehen. Zu Fuß den gesamten Weg durch Neuseeland: 1600 km auf der Nordinsel und weitere 1400 km über die Südinsel.

Neben den Jakobsmuscheln finde ich so einiges anderen am Strand, u.a. ein Stück Treibholz in der Optik eines Heifisches. Ich hebe ihn hoch, befinde dass er die 13 Kilo meines noch nicht ausgeschöpften Gepäckvolumen nicht überschreiten dürfte und schultere ihn den gesamten Weg zurück zum Camper. Macht sich bestimmt gut im Frankfurter Garten 🙂

26.09.

Wie angekündigt werde ich um 3:00 Uhr in der Nacht von Anton geweckt, schleppe mich im Tiefschlaf hinter das Steuer des Campers und starte durch die dunkle Nacht Richtung Cape. Gegen 5:30 Uhr erreichen wir unser Ziel: außer uns ist niemand dort, es ist noch stockdunkel, wahnsinnig kalt, windig und auch der Sonnenaufgang ist nur mäßig.

Gut ist, dass der Tag noch jung ist und sich so einiges machen lässt. Auf dem Rückweg stoppen wir an einer riesigen Wanderdüne. Wir leihen uns Bords, erklimmen zunächst eine kleine Anhöhe und legen uns bäuchlings auf unsere Bretter in der Erwartung mit atemberaubendem Tempo (Jule spach von ca. 35 km/h) den Sandberg wieder hinunterzudüsen, aber nichts tut sich. Wir versuchen vergebens durch schlangenartige Bewegungen in Fahrt zu kommen und beschließen, den höchsten Punkt der Düne anzusteuern. Dort angekommen beobachten wir zunächst, wie es andere machen, bevor wir uns selbst den Abhang hinunterstürzen. Es geht, aber das Tempo und den Fun hatten wir uns ein bisschen anders vorgestellt. Muss man sicher mal gemacht haben, aber nach drei Abfahrten beschließen wir, dass der Popo-Rutscher auf Schneepisten mehr Spaßfaktor bietet.

Wir fahren weiter, stoppen noch an einem Bienenverkaufsstand, wo ich Bienenwachstücher erstehe. Ich hatte in Deutschland von der wiederverwertbaren Alternative zu Plastikverpackung gelesen und freue mich nun darauf den frisch gekauften Käse darin aufzubewahren. Sieht hüsch aus im Camper-Kühschrank.

An Auckland vorbei legen wir einen weiteren Einkaufsstop an einem Greenstone-Laden ein. Anton und Jule erstehen ein paar Mitbringsel für zu Hause. Wir reisen weiter in Richtung Cormandel-Halbinsel. Im Ort Thames schlage ich vor die Stadt zu besichtigen, stelle aber fest, dass anders als in Europa, kein wirkliches Kleinstadtflair aufkommt, sonder die Städt eher an Amerika erinnern: Eine Durchgangsstraße mit kleinen Läden für die Erledigung der alltäglichen Sachen. Mehr praktisch als Flair und nicht wirklich was zu besichtigen. Wir fahren weiter und übernachten schließlich an einem wunderschönen Campingplatz in einem Tal bei Tapu.

27.09.

Ich starte den Tag mit einer kleinen 6 km Wanderung im Tal und werde am Campingplatz mit einen Frühstückstisch in der Sonne mit Blick auf den Fluss empfangen. Wir starten unsere Fahrt entlang der Westküste der Cormandel-Insel. Eine wunderschöne kurvenreiche Strecke direkt am Meer. In CoromandelTown erledigen Anton und Jule eine kleine Souvenir-Tour, essen Fisch&Chips und ich erstehe einen breitkrempigen Hut als Schutz für die Sonne. Es ist Frühling, alles beginnt zu blühen und die Sonne verwöhnt uns mit ausreichend Temperatur. Wir queren die Insel in Richtung Ostküste über kurvenreiche Bergstrecken mit atemberaubenden Ausblicken und übernachten in Cooks Beach.

28.09.

Für gute Fotos ohne unzähliger weiterer Touristen starten wir wieder mal nächtens zu einer der Hauptattraktionen der Nordinsel: Cathedral Cove. Nach kurzer Fahrt führt uns eine 50 minütige Wanderung im Schein unserer Taschenlampen in die malerische Bucht. Ein weiterer Fotograf ist bereits dort und hat sein Stativ aufgebaut, ansonsten freie Sicht auf den Felsen. Wir verweilen dort bis zum Sonnenaufgang, der dieses Mal wunderschön ist.


Wir brechen auf zu unseren nächsten Highlight des Tages: Hot Water Beach, nur wenige Kilometer entfernt von Cathedral Cove. Dort tritt an einem Abschnitt des Strandes Thermalwasser an die Oberfläche. Man buddelt sich eine Mulde in den Sand, welches sich mit dampfendem Thermalwasser mit Temperaturen bis 64°C füllt, und kann darin baden. Wir freuen uns zunächst, alleine am Strand zu sein. Anton und Jule schaufeln mit ihrem Klappspaten ein Loch von einer Tiefe von ca. 1,20 m. Es füllt sich nicht mit dem erhofften Thermalwasser und wir werden langsam stutzig. Ich beschließe zurück zum Parkplatz zu laufen und das Hinweis-Schild gründlich zu lesen. Im letzten Satz steht dann der entscheidene Hinweis: Die Quellen treten nur an die Oberfläche ab zwei Stunden vor Ebbe bis zwei Stunden danach. Keine Wunder also, dass vier Stunden vor dem Ereignis niemand außer uns am Strand ist. Wir überbrücken die Zeit in einem wunderschönen Café und kommen exakt zwei Stunden vor der nächsten Ebbe am Strand an. Der Parkplatz ist bereits überfüllt und die ersten liegen schon in dampfenden Pools. Wir brauchen wieder drei Anläufe (Löcher, die wir vergebens buddeln) um dann festzustellen, dass direkt vor dem zurückfließenden Wasser der Sand so heiß ist, dass man beim darüberlaufen sich die Fußsohlen verbrennt. Wir fangen an zu graben und können schließlich in unserem eigen geschaffenen Pool bei angenehmer Temperatur baden. Was für ein grandioses Naturspektakel und einmaliges Erlebnis.

Wir übernachten auf einem Stellplatz in Bowentown, auf einer schmalen Landzunge umgeben von Wasser.

30.09.

Ich starte den Tag mit meiner üblichen Erkundungstour und verweile zunächst auf einer kleinen Anhähe mit BLick auf die Bucht. Der BLick auf mein Handy irritiert mich: eine Stunde weiter als meine Armbanduhr. Ist diese etwas exakt eine Stunde stehen geblieben? Wohl kaum. Kurz gegoogelt: Neuseeland hat in der Nacht auf Sommerzeit umgestellt – jetzt sind es 11 Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland, wenn dort Ende Oktober die Winterzeit beginnt, werden es wieder 12 Stunden sein.

Ich laufe den Berg bis zur Spitze weiter hoch und genieße von oben die gute Rundumsicht. Ich komme mit James ins Gespräch, einem Neuseeländer, der in der Nähe wohnt. Wir erfahre nicht nur sehr viel über Neuseeland, sondern auch viel persönliches von James. Wir plaudern über Gott und die Welt und vergessen die Zeit.

Am Stellplatz angekommen erwartet mich wieder ein in der Sonne gedeckter Frühstückstisch mit Blick auf das Meer. Unsere zunächst letzte Mahlzeit, die wir gemeinsam mit Jule verbringen, bevor sie Richtung Hamilton startet um sich dort mit einem Freund aus Hamburg zu treffen. Wir setzen unsere Reise Richtung Süden fort und fahren zum nächsten – meinem vierten (?) Wasserfall. Meist führen die Wege hinab in Schluchten, hier ist es umgekehrt: eine mehr als einstündige Wanderung führt uns steil den Berg hinauf. Erschöpft kommen wir an und können uns direkt an den Abgrund stellen, bevor der Wairere Wasserfall vor unseren Füßen fast senkrecht 173 m in die Tiefe stürzt. Der anstrengende Abstieg hat sich gelohnt.

Um endlich den Blog online stellen zu können fahren wir nach Tauranga. Bei BurgerKing schauen wir zunächst nach freien Steckdosen bevor wir uns ein üppiges Menü bestellen. Leider stellen wir erst danach fest, dass die Steckdosen “out of order” sind. Wir versuchen es beim nahe gelegenen nächsten Fast-Foot-Anbieter der Konkurrenz, aber hier sind leider alle Steckdosen belegt. Schlechtes Timing, die Stimmung bei Anton singt und wir beschließen uns den nächsten Übernachtungsplatz in der Nähe zu suchen.

 

Sabine
Sabine
muss in ihrem Urlaub Anton's Arbeit übernehmen und ist zur Bloggerin geworden.

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