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Lost Place – Militärareal

Fünf Stunden Autofahrt – eine Nacht im Auto zwischen brummenden LKWs – und ein Frühstück bestehend aus trockenen Brötchen – so startete unser Trip, zum doch recht bekannten Lost Place im Norden Deutschlands.

Ehemalige militärische Anlagen üben nicht nur auf Fotografen eine magische Anziehungskaft aus. Zu aktiven Zeiten war dies absolutes Sperrgebiet, keine Zivilperson kam auch nur in die Nähe, geschweige denn auf das Gelände. Genau aus diesem Grund reizte es uns umsomehr dieses zu besichtigen.

Von Wohnkomplexen, über Mensen, bis hin zu Truppenübungsplätzen mit Schießgräben sowie sogar einem großen Freizeitangebot, beispielsweise einem Kino, ist hier alles vorhanden. Der Kinosaal ist leider schon  eingestürzt – nur noch schemenhaft erkennt man die letzten Sitzreihen, Ticketabreiskabinen im hinteren Teil, sowie eine Bühne im Vorderen Teil. Erstaunt hat uns aber ein komplett erhaltenes Gemälde aus dem Jahr 1952 im Vorraum. Raketen, Flugzeuge, Satelitenschüsseln sowie Kriegsschiffe wurden hier im Auftrag DDR Politiker gezeichnet.

Das ehemalige Militärareal wurde im Rahmen des Deutschen Wiederaufbaus 1934 um viele Teile erweitert. Laut Zeitzeugen nutzte das Lager anfangs die SS. Zunächst nutzte man das Lager zur Aufstellung von Beobachtungs-Abteilungen für Artillerietruppen. Fünf Jahre später begann man dann mit der Ausbildung von Fahrern für Kettenfahrzeuge.

Im Januar 1988 verursachte ein Panzer der Sowjetischen Besatzungsmacht, welche das Lager seit Ende des Zweiten Weltkriegs betrieben, das bis dato schlimmste Zugunglück in der DDR. Sechs Menschen starben, 33 wurden schwer verletzt. Ein 19-jähriger, vor Ort stationierter Soldat sollte seine erste Fahrt in einem 40 Tonnen Panzer des Typs T-72 unter Nachtsichtbedingungen fahren. Tragischerweise kommt der Panzer vom Weg ab, fährt über die Schienen, und kommt auf diesen zum stehen. Der Fahrschüler kann den Panzer nicht mehr starten, da er ihn mehrmals abwürgt, und auch der ein Jahr ältere Fahrlehrer kann aufgrund von Sprachbarieren nicht helfen. Kurzerhand flüchten sie aus dem Panzer, bevor der Zug entgleist und sich mehrmals überschlägt. Gerüchten zufolge wurden die Soldaten in Moskau kurzerhand vor eine Wand gestellt, und erschossen.

1994 verließen die letzten Soldaten das Gelände, und überließen es dem Verfall. 2007 startete man mit leichten Abrissmaßnahmen, welche allerdings auch wieder recht schnell eingestellt wurden, sodass sich die Natur das Gelände Stück für Stück zurück erobert.

Auf dem Gelände fanden wir allerlei interessante Überreste. Von Metalldosen, vermosten Schuhen, Kücheneinrichtungen bishin zu alten Zeitungen, die sich über das ganze Areal streckten. Entweder waren damit Wände tapeziert, oder sie lagen wie hier im Bild einfach nur auf dem Boden.  Dieser Zeitungsfetzen stammt aus einer Zeitung vom 14. Mai 1989.

 

Entgegen unserer Erwartungen ist das Gelände anscheinend doch noch bewacht – wahrscheinlich mit Bewegungsmeldern – denn als wir das Gelände abschließend umkreisten standen zwei Sicherheitsautos auf den Wegen des Militärgebiets, das Tor war offen, und wir konnten zumindenst zwei, hellgrün angezogene Männer mit Rucksäcken sehen, welche offensichtlich etwas suchten. Nur gut, dass wir uns schon außerhalb befanden und auch unser Auto ein Stück entfernt geparkt hatten…

Auch hier habe ich euch wieder ein paar, äußerst interessante Bilder mitgebracht, die ihr euch in der Galerie anschauen könnt. Über ein Kommentar, oder eine Bewertung freue ich mich sehr 😉

Anton Neubert
Anton Neubert
Anton Neubert, Jahrgang 1998, ist nebenberuflich als Fotograf tätig. Neben den Fotografien sucht er regelmäßig verlassene Orte auf, um über sie etwas für seine Nachwelt zu berichten. Dabei legt er größten Wert auf die Unversehrtheit eines solchen Ortes, getreu dem Motto: "Hinterlasse nichts als Fußabdrücke, und nehme nichts mit außer guten Fotos".

5 Kommentare

  1. Lisa Schulz sagt:

    Starke Bilder und interessante Texte. Sind Sie über die ungefähre Größe des Areals informiert? Würde mich brennend interessieren.
    Gerne mehr von solch verlassenen Orten.

    Liebe Grüße

    • Hallo Lisa,

      leider kann ich dir keine genauen Angaben zu der Größe des Geländes machen. Ich kann dir aber versichern, dass das Gelände überdimensional groß ist 😉

      Viele Grüße,
      Anton

  2. Byron sagt:

    Starke Bilder
    Was könnten die wohl gesucht haben? Hoffe du wirst nicht irgentwann mal erwischt

  3. Kadicha Hild sagt:

    Lieber Anton,

    du hast, wie immer, faszinierende Bilder gemacht. Die Bilder alleine sind schon toll, werden aber noch interessanter durch deine Informationen. Ich habe wieder etwas über Deutschland gelernt.

    Gruß Kadicha

  4. Stefan Meier sagt:

    Schöne bilder und viel hintergrund wissen. hoffe das du in zukunft auch nicht erwicht wirst bei sowas 😀

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