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Lost Place – Galopprennbahn

Ein Ort, der in der jüngsten Vergangenheit bereits für sehr viel Gesprächsbedarf sorgte: Die alte Galopprennbahn und die Frage, ob diese der neue Standort für das DFB Trainingszentrum werden soll. Wir entschlossen uns diesen historisch gewordenen Ort im Herzen Deutschlands einmal anzuschauen; auch gerade deswegen, weil er Gefahr läuft, demnächst dem Erdboden gleich gemacht zu werden.

Ganz spontan, und ohne große Vorbereitung machten wir uns diesesmal zu einem Lost Place, welcher eine spannende Geschichte trägt. Schon vor dem betreten des Gebäudes wurden wir von markanten Hinweisschildern freundlich gebeten, draußen zu bleiben. Die eingeschlagenen Glastüren und Glasfenster luden uns dann allerdings doch freundlich ein, das innere des Stadions zu besichtigen.

Innen empfing uns neben kühler Luft eine Spur der Verwüstung. Von Überresten der letzten Partys, über Wettscheine und Straßensschilder, bishin zu geplünderten Golf Karts fanden wir alles mögliche. Man könnte meinen, alles wäre vorschnell verlassen worden – die Wettscheine flogen noch überall rum, sogar ein Staubsauger steckte noch in der Steckdose.

Die Galopprennbahn wurde1865 von einem Reitverein mit finanzieller Unterstützung deutscher Fürsten gebaut. Bis zum ersten Weltkrieg wuchsen die Rennen immer mehr an Popularität und Wichtigkeit. In der Nachkriegszeit wurden die Rennen dann allerdings nach Berlin verlagert, da die Pferde nicht nach Frankfurt reisen konnten. 1920 stiegen die Eintrittspreis durch die Inflation ins Unermessliche, sodass die Rennbahn ums nackte Überleben kämpfen musste. Mitte des 20. Jahrunderts wurde das Gestüt und die Rennbahn aus der Luft angegriffen, sodass die Tribüne zerstört wurde, und viele Vollblüter starben. Andere kamen frei, und jagten voller Panik durch Frankfurt. Zwei Jahre später war alles wieder restlos aufgebaut.

Den Höhepunkt erreichte die Bahn in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Für rund zwölf Millionen Mark wurde die modernste Tribüne Deutschlands mit über 2500 überdachten Plätzen in Betrieb genommen. Ein paar Jahre später wurden dann nochmal 2,2 Millionen Mark in den Platz investiert. Schulden, an denen der Club später zerbechen sollte. Doch noch flonierte das Wettgeschäft – an Renntagen wurden an den Wettschaltern bis zu 2 Millionen Mark gewettet, und selbst die Stute der englischen Königin Elisabeth II. gab sich die Ehre und gewonn das Rennen.

Im 21. Jahrhundert verlor sich die Rennbahn dann allerdings in negativen Schlagzeilen. Der Schuldenberg wuchs, und unfaire Machtkämpfe über einen Hotel Bau wurden laut, sodass die Rennbahn nach und nach verkam. 2016 wurde dieser dann wegen ihren unbezahlten Rechnungen das Wasser abgedreht. Damit die Pferde nicht verdursteten organisierte die Rennbahn mühevoll einen großen Wassertank. Strom und Gas gab es auch nur noch, weil den Zuständigen des Energieversorgers der Zugang zum Gelände verweigert wurde.

Aktuell liegt das Gelände brach und wartet auf eine endgültige Entscheidung ob hier nun das neue DFB Trainingsgelände gebaut werden darf, oder nicht. Bis dahin könnt ihr euch in der nachfolgenden Galerie die restlichen Bilder der alten Galopprennbahn anschauen, und weiterhin die spannenden Entscheidungen verfolgen. Über eine Bewertung oder einen Kommentar freue ich mich wie immer sehr 🙂

Anton Neubert
Anton Neubert
Anton Neubert, Jahrgang 1998, ist nebenberuflich als Fotograf tätig. Neben den Fotografien sucht er regelmäßig verlassene Orte auf, um über sie etwas für seine Nachwelt zu berichten. Dabei legt er größten Wert auf die Unversehrtheit eines solchen Ortes, getreu dem Motto: "Hinterlasse nichts als Fußabdrücke, und nehme nichts mit außer guten Fotos".

5 Kommentare

  1. Merlin sagt:

    Sehr coole Bilder, verziert mit galantem Hintergrundwissen über einen echt bedeutsamen Ort. 👍🏻

  2. Paul sagt:

    Der Informationstext lässt die Bilder ein wenig lebendiger wirken. Besonders bei ‚Lost Places‘ gut.
    Das Titelbild würde ich mir sogar aufhängen.

  3. Emil, sagt:

    Naja, wie mann es kennt, schick, schön, verückt,geil🙈👍🔜 Mach weiter so

  4. Till sagt:

    Beeindruckende Bilder. Die Bilder sprechen für sich und machen die Atmosphäre des Lost Places spürbar. Die Texte ergänzen mit interessantem Hintergrundwissen!
    Wie immer ein klasse Blog Eintrag.

  5. Nick sagt:

    Sehr interessanter und gut geschriebener Begleittext. Bilder wie immer qualitativ sehr gut.

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