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Lost Place – DDR Stasi Regierungskrankenhaus

Das alte Stasi-Regierungskrankenhaus in Berlin. Viele Gerüchte kursieren um dieses Gelände: Medikamente aus dem Westen, Krankenzimmer im luxuriösem Prunk, begehrte Südfrüchte. Ein aktiver Sicherheitsdienst, der uns freundlich nach außen geleitet. Hunde, mit der Erlaubnis zu beißen...

In aktiven Zeiten war dies ein Hochsicherheitstrakt, ohne Passierschein kam hier niemand rein. Die offizielle Zufahrtsstraße endet zunächst mitten im Wald vor einem großen undurchsichtigen Eisentor. Danach geht es noch eine ganze Weile durch den Wald, bis das Krankenhaus plötzlich erscheint. Alles ist heute noch sorgfältig gesichert. Hohe Zäune, verschlossene Türen, Bewegungsmelder im ganzen Haus. Doch dazu später mehr.
Wir starteten unseren Rundgang zunächst um das Gebäude herum. Da dieses von außen komplett unversehrt ist, hofften wir auf eine unverschlossene Tür. Die wir dann auch fanden, unseren Rundgang um das Gebäude aber zunächst beendeten und dabei zwei Kinder entdeckten. Lebendige! Von ein paar Horrormärchen über Zigeuner, welche das Krankenhaus besetzen, bis hin zu Blutspritzern im Pool hörten wir von beiden so ziemlich alles. Naja.
Im Gebäude drin fiel uns direkt neben der Tür ein merkwürdiger Kasten auf, dem wir aber keine weitere Beachtung schenkten. Ein Fehler, wie sich später heraus stellen sollte. Danach - ein langer Gang. Dunkel. Da doch die komplette Front von außen nur aus Hallentoren bestand, machten wir uns zunächst ohne Orientierung auf den Weg in die Fahrzeughalle. Der Furhpark des Regierungskrankenhauses bestand aus Fahrzeugen der Modellreihe Tatra 603, und soll hier gestanden haben.

Geschichte

Die damalige Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen ließ das Gebäude 1911 erbauen. Nach der Auflösung des Friedensvertrages von Versailles wurde das Gebäude nach dem zweiten Weltkrieg als zentrales Lazarett in der Sowjetischen Besatzungszone genutzt. Nach Gründung der DDR wurde es im Oktober 1950 zum Regierungskrankenhaus umgebaut und in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt.
Wer einst hier auf einer der vier Stationen, bestehend aus Innerer Medizin, Chirugie, Gynäkologie sowie einer Kinderstation behandelt werden wollte, musste auf der Liste des Ministerrats der Deutschen Demokratischen Republik stehen.

Das Krankenhaus war hervorragend ausgestattet., ausschließlich Einzelzimmern mit Telefonen, Fernseher mit Programmen der Bundesrepublik und Zeitungen aus Westdeutschland. Zusätzlich gab es ausgezeichnetes Essen sowie Bäder- und Massageeinrichtungen. Durch die hauseigene Apotheke konnten Ärzte hinsichtlich spezieller Medikamente frei entscheiden. War ein Medikament mal nicht vorrätig, wurden es durch einen Stasimitarbeiter in West-Berlin beschafft.

Sicherheit

Ärtze fanden hier bei modernster Technik und unbegrenzten Therapiemöglichkeiten zwar hervorragende Arbeitsbedingungen, erhielten sogar 20-25 % höhere Gehälter als anderswo, jedoch war das Verhalten untereinander von Angst, Unsicherheit und Misstrauen geprägt. Freundschaften gab es nicht. Unter anderem sorgte dafür auch ein ständigter Beauftragte des Staatssicherheitsdienstes. Er sammelte die nötigen Informationen über jeden Angestellten: Familie. Hobbys. Freizeitgestaltung. Jeder wusste zwar dass es ihn gab, keiner kannte aber seinen Namen. Wie überall saßen auch hier in jeder Abteilung Spitzel.
Trotzalledem fühlten sich die Spitzenfunktionäre der SED im Regierungskrankenhaus nicht sicher, sodass immer größere Einschränkungen beschlossen wurden, und man das Krankenzimmer schlussendlich sogar nur noch im Begleitung eines Stasi-Mannes betreten durfte.

Da das Krankenhaus dann aber urplötzlich zu nah an der Grenze zu West-Berlin lag, wurde das Krankenhaus 2001 verlassen, und steht seitdem still
Nach unsererm Aufenthalt im Krankenhaus wollten wir uns dann über die Schwimmhalle wieder nach draußen begeben. Jedoch ging unser Plan nicht auf. Während ich noch ein Schild fotografierte wunderte ich mich, warum Till in den Krankenhausflur ein "Hallo" rief. Erst viel später verstand ich, dass uns ein Sicherheitsmann schon seit längerer Zeit beobachtete und sich nun zu erkennen gab. Da wir unsere Personalausweise im Auto hatten, "bot" er an die Polizei zu rufen. Ich versuchte ihn mit meiner Visitenkarte zufrieden zu stellen - aber nichts half. Er schickte uns vor sich her, hielt an jeder Tür an und checkte eine Box an der Wand. Die ganze Zeit hielt er eine Hand in seiner Hosentasche, was uns irritierte.
Er erzählte uns, dass wir Glück hätten, denn normalerweise seien sie hier mit Hunden unterwegs. Diese dürften, und würden auch sofort beißen, sobald sie jemanden entdeckten. Üblicherweise kämen Kabeldiebe, die teils sogar bewaffnet seien.
Wir folgten ihm auf dem gleichen Weg, den wir gekommen waren. Draußen angekommen erzählte er uns, dass wir in der Leitstelle alle Alarme ausgelöst hatten, die dieses Gebäude in sich trägt. Trotzdem brauchte er vom Zeitpunkt der Auslösung des ersten Alarms, verursacht durch unser Betreten des Geländes, annähernd vier Stunden, bis er uns entdeckte. Wenige Schritte weiter in Richtiung Ausgang bekam er einen Anruf. Ein Kollege wollte sicherstellen, dass ihm nichts zugestoßen ist. Auch sollte er berichten, was den Alarm ausgelöst hatte. Wir hatten noch immer ein mulmiges Gefühl im Magen, aber er brachte uns bis vor das große Metalltor am Eingang des Geländes.Freundlicherweise ließ er uns ohne weitere Sanktionen gehen. Wir durften sogar unsere Fotos auf den SD-Karten behalten.

Danke dafür an dieser Stelle!

Leider hatte Till die Kameras aus, als wir erwischt wurden, sodass wir das nicht auf Video haben. Was wir aber auf Video haben, ist ein cooler Kurzfilm über das alte Stasi Regierungskrankenhaus. Und auch Bilder habe ich euch wieder mitgebracht.
Schaut rein und lasst ein Kommentar da.
 

 

 

 

 

Anton Neubert
Anton Neubert
Anton Neubert, Jahrgang 1998, ist nebenberuflich als Fotograf tätig. Neben den Fotografien sucht er regelmäßig verlassene Orte auf, um über sie etwas für seine Nachwelt zu berichten. Dabei legt er größten Wert auf die Unversehrtheit eines solchen Ortes, getreu dem Motto: "Hinterlasse nichts als Fußabdrücke, und nehme nichts mit außer guten Fotos".

3 Kommentare

  1. Ursula sagt:

    wie immer fantastisch geschrieben, dazu noch das Foto und Filmmaterial, exzellent.
    Warum wird dieses verlassene Krankenhaus eigentlich noch bewacht? Wieso wird es nicht saniert oder abgerissen???????

  2. Daniel sagt:

    Sehr interessant und informativ geschrieben. Geniale Bilder und Video. Kannst du mir verraten, wo das Krankenhaus steht?

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