Lost Place – Galopprennbahn
19. Juni 2017
Lost Place – Baumschule
21. Juli 2017

Durch eingeschlagene Fenster, über einen vollgesprayten Hörsaal, in einen Keller voller Kühlkammern. Ein Seminarraum mit einem Krankenhausbett, ringsum ein Podium und augenscheinliche Blutspritzer? Ein gruseliger Brief auf Englisch.

Unsere Recherche vorab versprach Großartiges! Vor Ort angekommen, mussten wir dann erstmal vor großen, pompösen Villen parken, und uns fertigmachen, bevor wir uns durch das Gebüsch ins Gebäude vorkämpfen konnten. Von außen zeichnete sich schon deutlich der Vandalismus und der Verfall ab.

Ernst Huntemüller errichtete 1929 das heutige Gebäude des Instituts für Anatomie der Freien Universität. In der Nachkriegszeit 1948 begann man mit dem Bau eines neuen Gebäudes, welches man ein Jahr später als Anatomisches Institut eröffnete. Da man die räumliche Auftrennung von Hörsaal und Imstitutsgebäude aufheben wollte, richtete man in den oberen Etagen die Hörsäle, Laboratorien sowie die Büros ein. Die Kühlkammern, sowie die Seziertische für die Leichen wurden im Keller eingerichtet. 2003 fusionierte die Einrichtungen der Medizinischen Fakultäten mit einer anderen, sodass diese Räumlichkeiten zwei Jahre später verlassen wurden. 2008 kaufte eine große Lebensmittelkette das Gelände, mit den Plänen einen neuen Discounter zu eröffnen. Die Stadt machte ihnen allerdings einen Strich durch ihre entwickelten Pläne – sie hätte lieber neuen Wohnraum. So steht das Gelände seit 2005 leer, und ist sich selbst überlassen.

Leider waren die Kühlräume schon soweit ausgeplündert / zerstört, sodass wir nur noch die Räume im Keller mit den Fliesen an der Wand bewundern durften. Ein kurz eingelegter Moment der Stille verlieh der Situation eine ganz neue Bedeutung. Im Erdgeschoss machten wir dann jedoch wieder eine ganz neue Entdeckung. Ein Raum, in dessen Mitte ein altes Krankenhaus Bett steht. Ringsum ein zwei stufiges Podium für Zuschauer – bzw. in unserem Fall – für Studenten. Wurden unter anderem auch hier Leichen seziert? Als wäre das nicht genug, fanden wir auf dem Bett ein beflecktes rotes Taschentuch. Auch am Bettende waren einige rote Spritzer… Blut? Diese Frage wird uns wohl niemand mehr beantworten können, sodass die Universität für Anatomie dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen wird. Bestimmt nicht ihr einziges…

Das Interessanteste war dann allerdings ein gefundener Zettel neben dem Bett, über eine wahrscheinliche Hausarbeit mit dem Titel: „Halb zerstörtes Gesicht“.

Zwar auf Englisch geschrieben, bedeutet ins Deutsche übersetzt aber grob folgendes:                                                      „Sie war so großzügig, ihren Körper für die Wissenschaft zu spenden. ‚Eine großzügige Entscheidung von ihrer Seite. Natürlich eine von sehr seltener Gelegenheit für eine Person in ihrer Position, wie es uns die Agentur versicherte. Wunderschön. Wissenschaft, die diese Menschen in ihrem Feld machen. Das muss ich Ihnen zugestehen! Sie leistet uns wirklich einen wertvollen Dienst. Wissenschaft ist auf Organ- und Körperspenden angewiesen, da mehr und mehr Menschen ihre körperliche Erscheinung so sehr beehren, dass sie sie mit in ihr Grab nehmen wollen.'“

Was ist hier nur alles passiert? Genauer werden wir es wahrscheinlich nie erfahren…

Ich habe euch wieder ein paar sehr interessante Bilder mitgebracht – dieses Mal hat euch Till sogar auch ein äußerst spannendes Video mitgebracht. Auch er freut sich bestimmt über einen Kommentar oder eine Bewertung 🙂

Apropos – ihr wollt wissen wer „wir“ eigentlich sind? Bleibt dran, wir stellen uns schon bald vor 😉

Anton Neubert
Anton Neubert

wurde 1998 in der Main Metropole Frankfurt geboren. Er liebt es zu reisen und zu fotografieren. Seit Anfang 2017 bloggt er über seine Neuseeland Reise und über verlassene Orte, welche ihn besonders in seinen Bann ziehen.

2 Kommentare

  1. Ursula sagt:

    ich finde es faszinierend wie du schreibst, die Bilder sind einzigartig.

  2. Ein User sagt:

    Mysteriös!
    Bilder wie immer klasse. Schreibstil gefällt mir. Zudem finde ich es super, dass du, beispielsweise mit dem Brief, eine Story und damit etwas Leben in einem Lost Place steckst.
    War sehr interessant zu lesen. Bitte mehr davon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.