Missraten || Neuseeland #059
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Feuer im Nationalpark || Neuseeland #061
25. Oktober 2018

13.10.

Wir kommen auf unserer Wwoofing Farm an. Dies wird unser Wohnort für die letzten Wochen Neuseeland werden, bevor es von hier zum Flughafen geht.
Die Farm selbst ist eigentlich keine “richtige” Farm in dem Sinne. Sie hat lediglich 20 Schafe, Pferde, Hunde, Katzen und Hühner. Chris & Peggy, die Besitzer dieses Hofes, leben in einer 150 Jahre alten Villa und dieses Haus ist ein Traum! Oben auf dem Hügel kann man über das ganze Tal blicken. Von der Straße braucht man alleine ca. 5 Autominuten, um zum Haus zu kommen. Das sagt denke ich alles …

Wir lieben es hier jetzt schon!

14.10.

Ich sitze auf dem Traktor. Dieser ist zwar definitiv nicht so cool, wie der John Deere von Logan & Charli – aber es ist ein Traktor! Mit diesem will ich jetzt ein Feld abmähen.
Nach nur kurzer Zeit auf dem Traktor merke ich, wie mein Handy aus meiner Tasche gleitet. Keine zwei Sekunden später ist es auch schon auf den Boden gefallen und ich bin drüber gefahren. Zwar nicht mit dem Reifen, und auch nicht so richtig – aber die Messer des Mähwerks haben trotzdem ganze Arbeit geleistet und die Unterseite des iPhones komplett zersägt!
Würde ich mir in ein paar Wochen nicht sowieso ein neues Handy zulegen, hätte ich mich jetzt tierisch geärgert.

Wenige Stunden später…

Ich stehe am Hang der Wiese vor ein paar Palmen. Ich plane den Rückwärtsgang einzulegen, um mit dem Schneidewerk am Heck des Traktors das Gras direkt vor den Palmen mähen zu können. Da die Bremsen nicht so wirklich gut sind, stelle ich mich mit meinem ganzen Körpergewicht gleichzeitig auf Bremse und Kupplung. Mit meinen Händen fummel ich jetzt zwischen meinen Beinen rum. Hier sitzt die Gangschaltung. Gerade als ich den Gang rausnehme, rollt der Traktor rückwärts weiter den Hang runter. Parallel dazu stirbt auch noch der Motor. Naja. Erst mal nix dramatisches: Gang raus, Kupplung drücken, Motor an! So zumindest dachte ich es mir. Doch auch nach mehreren Versuchen wollte der Traktor nicht starten.
Chris, unser Gastvater, steht jetzt inzwischen Apfel essend oben auf dem Hang und schaut mir zu. Gestern begrüßte er mich mit den Worten: “Ich habe gehört du bist ein Ass im Traktor fahren…” Durch meine selbstsichere Antwort “Oh, ehm, ja das bin ich wohl…” habe ich mich in die missliche Lage gebracht, mich selbst aus der Misere befreien zu müssen. Danke Vergangenheits-Anton…

Nach einigen Versuchen zuerst meinen Kopf, und anschließend den Traktor zu starten kam ich dann auf die Idee das Mähwerk zu entkuppeln, um so die Batterie beim starten zu entlasten. Und siehe da: Der Traktor schnurrt wie ein Kätzchen. Zwinkernd zeigt mir Chris den Daumen hoch, dreht sich um, schmeißt seinen Apfel ins Gebüsch und widmet sich wieder seiner Arbeit …

15.10.

Nach dem gestrigen Abendessen wurde ich noch gefragt, ob ich mir zutraue den Traktor auf einem anspruchsvollen Feld zu fahren und dieses zu mähen. Der Vorbesitzer der Farm ist auf genau diesem Feld in den Tod gestürzt, während er mit dem Traktor zu schräg am Hang gearbeitet hat. Der Traktor erschlug ihn und fiel den Berg runter.
Ich witterte ein neues Abenteuer und erklärte natürlich sofort, dass das für mich kein Problem sei.

Tja – so kommt es, dass ich jetzt auf einem verwucherten “Feld” stehe. Oder Stop! Ich will es nicht mal Feld nennen – Es ist eine Fläche die von allerlei Gras & Gestrüpp bewachsen ist. Der Boden lässt sich größenteils nur erahnen. Sicher ist aber, dass die ganze Fläche von Löchern übersäht ist. Dazu kommt dann natürlich noch, dass ich am Hang arbeiten muss. Teilweise kann ich diesen nicht gerade hochfahren – so wie man es macht um das umkippen zu vermeiden 😉 – sondern muss schräg die Steigung erklimmen. Ein verdammt unschönes Gefühl so schräg zu fahren und doch auch wieder ein tolles Gefühl.

Die Hälfte des Feldes habe ich geschafft. Der Rest wird morgen erledigt 🙂

16.10.

Es ist nicht mein erstes Mal, dass ich mit einem Traktor am Hang arbeite. Bei Logan & Charli bin ich mit dem großen John Deere regelmäßig schräg gefahren. Damals habe ich rausgefunden, wo genau der Kipppunkt des Traktors ist. Und habe diesen Punkt nie überschritten! Der jetzige Traktor ist jedoch eine Nummer kleiner – und vor allem: Er hat keine Kabine. Nur ein kleines Dach, was Schwerpunktmäßig aber nicht groß zählt.
Somit habe ich jetzt einen ganz anderen, viel späteren Kipppunkt als damals. Und immer wenn ich jetzt diesen Kipppunkt von damals überschreite, fühlt es sich an als würde der Traktor wegrutschen, als würde er umfallen.

Dass er ruhig weiter fährt brauche ich glaube ich nicht zu sagen. Mit viel Spaß habe ich das Feld somit heute fertig gemäht.

17.10.

Wir bringen die 4 Stunden schnell hinter uns und widmen uns unserem Auto. Für dieses haben wir schon vor mehreren Wochen einen Käufer gefunden, sodass wir es jetzt auf Vordermann bringen. All unsere Sachen ausräumen, saugen, putzen und die ganzen Sachen wieder einräumen, die Moritz bekommen wird. Check!

18.10.

Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Ich mähe mit dem Traktor heute wieder ein Feld. Ja, ein Feld – nicht mein Handy! Das funktioniert übrigens immer noch 😉

Nein, das heutige Feld hat es in sich. Dachte ich beim letzten auch schon – aber dieses ist jetzt wirklich krass. Ich bin in einem ständigen Wechsel meiner Gefühle. Fahre ich an den Rand die Böschung runter oder stehe schräg am Hang, rast mein Adrenalinpegal hoch. Durch die fehlende Kabine des Traktors bin ich leider recht ungeschützt, wenn der Traktor mit seinen mickrigen 34 PS mal wieder durchdreht, ich rückwärts den Hang runter rutsche und dann auf der Seite liegend unten ankomme. So zumindest das Kopfkino, als ich Adrenalingeladen am Rand des Feldes arbeite. Dass ich mich mit meinem vollen Körpergewicht auf Bremse & Kupplung stellen muss, um den Traktor anzuhalten, spielt bei diesen Adrenalinpegel natürlich auch noch mit rein…

Steigt mir alles zu sehr zu Kopf, fahre ich wieder ein paar Runden in der sicheren Mitte des Feldes, bevor ich mich in einem Selbstmordkommando wieder an den Rand wage. Ein ewiges Spiel mit dem Feuer…

19.10.

Wir sind gestern nach unserer Arbeit noch nach Auckland gefahren, ein paar letzte Souvenirs shoppen. Jule hat allein knappe 400$ dort gelassen. Heftig!

Heute aber wieder das selbe Thema wie gestern. Während ich dem Tod immer wieder von – und auf die Schippe springe, zersägt Jule ein paar überflüssige Büsche und bringt diese auf einen Haufen zum verbrennen. Und was soll ich sagen: Am Wochenende steht der Wind gut… 🙂

Wir kehren mal wieder zu den Anfängen dieses Blogs zurück, und verabschieden diesen Reisebericht mit einer Fotografie aus den vergangenen Wochen:

Anton Neubert
Anton Neubert
wurde 1998 in der Main Metropole Frankfurt geboren. Er liebt es zu reisen und zu fotografieren. Seit Anfang 2017 bloggt er über seine Neuseeland Reise und über verlassene Orte, welche ihn besonders in seinen Bann ziehen.

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