Überarbeitet || Neuseeland #050
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Als Au Pair in Wanaka
28. August 2018

22.08.

Wir sind recht spät letzte Nacht noch auf einen DOC Campingplatz mitten im Abel Tasman Nationalpark gefahren. In der Pechschwarzen Nacht ging es dafür eine gute halbe Stunde über eine Gravel Road durch den gruseligsten Wald, der mir in Neuseeland je begegnet ist. Unsere Slanderman Geschichten helfen zum “entgruseln” da nur bedingt. Am Campingplatz angekommen ist natürlich – wer hätte es anders erwartet – niemand sonst da. Zum Glück ist der Platz nur am Rande des Gruselwaldes. Fast hätte man schon aufatmen können. Wenn da nicht dieses schräg in den Boden gerammtes Holdschild wäre, auf dem steht dass ein Mann vermisst wird. Gruseligem Profilfoto inklusive.

Später in der Nacht kuschel ich mich ein wenig tiefer in die Decke. Aufgrund meines fehlenden TV Konsum’s in den letzten neun Monaten dreht mein Gehirn gerade einen eigenen Krimi. Achtung, Spoiler: Der Mann klopft gegen 3 Uhr Blutverschmiert an unser Auto. Die letzten Wochen hatte er halbtod in der nahen Höhle verbracht (die gibt es da echt!) und es jetzt irgendwie rausgeschafft.

Um meinem Gehirnkrimi den passenden Zuschauer zu mimen, wache ich mehrmals in der Nacht auf, schaue unauffällig unter der Bettdecke hervor, hole kurz neue frische Luft, schaue aus dem Fenster (in der Erwartung dass ich genau jetzt in ein Augenpaar schaue) und verschwinden wieder unter meiner Bettdecke.

Den nächsten Morgen habe ich natürlich – ganz unerwartet – überlebt. Ich musste den gruseligen, halb toten, vermissten Mann übrigens nicht überfahren. Obwohl der Schlüssel schon steckte. Nein, wir haben eine nette kleine Wanderung durch den Nationalpark vorgezogen und im tiefsten Outback mit einem freundlichen Schäfer einen Plausch gehalten.

23.08.

Unser erster Arbeitstag. Da unsere Fähre erst in gut zwei Wochen auf die Nordinsel geht, müssen wir ein wenig Zeit totschlagen. Und wie lässt sich das sinnvoller füllen, als Geld einzunehmen, statt es nur auszugeben?

Dementsprechend fangen wir heute auf einer Kiwifarm an. Für mich ist es das zweite Mal dass ich für Kiwi’s Kiwi’s pflücke (An dem Gag habe ich ein paar Tage gearbeitet! 😉 ), für Jule das erste Mal. “Winter prunning” nennt sich der Spaß. Die wie wild gewachsenen Äste stutzen wir soweit zurück, dass auf einem Meter immer nur noch drei Äste an einer extra gespannten Schnur runterhängen. Klingt recht easy, bis man aber weiß welche man abschneiden sollte und welche lieber nicht… Naja, in der Zeit fallen schon mal ein paar zu Boden die man später lieber wieder ankleben möchte.

Die Leute sind aber alle super nett. Und: Mal eine Kiwifarm die nicht von Indern betrieben wird 😉 Ansonsten haben wir hier eine mega coole Aufseherin. Jenny, rote Haare, Krückstock, mitte 60 mit einem bomben Humor. So lässt es sich leicht arbeiten.

24.08.

Der zweite Arbeitstag geht auch recht entspannt von statten. Wir merken deutlich, wie viel schneller wir im Vergleich zu gestern sind. Lediglich die coole Omi fehlt uns beim schnippeln einwenig. Dafür holen wir aber in der Mittagspause Eis und geben eine Runde aus. Karma: Plus 10 Punkte. Check!

25.08.

Langsam merke ich, wie mich mein Rücken umzubringen versucht. Die Astschere immer über meinem Kopf haltend, zwischendurch in die Bäume kletternd… ich bin eben doch nicht mehr so jung und knaggisch wie ich es noch mit 19 war. Ich wusste es…

26.08.

Es ist Sonntag. Ein komplett wolkenfreier, 16 Grad warmer Sonntag. Aufgrund des freien Tages entscheiden wir uns eine Kajak-Tagestour im Abel Tasman Nationalpark zu machen. Ohne Führung wollen wir uns hier den Nationalpark vom Wasser anschauen. Jule kennt ihn schon aus der Luft – ich vom Land aus.

Nach einer langen Einweisung von knapp zwei Stunden paddeln wir gegen halb 11 los. Entlang der schönen Strände fixieren wir nach einer kurzen Planlosigkeit schnell ein Ziel: Die große Insel. Auch bekannt unter dem Namen “Adele Island” und berühmt für ihre verschiedenen Vogelarten und Seebären.

Als wir auf unserem Rückweg die Insel von der anderen Seite umrunden und in einer versteckten Bucht anhalten, schwimmen die zuvor schon zu Haufe gesehen Baby-Seelöwen neben unserem Kajak her. Springen aus dem Wasser, drehen sich und zeigen uns den Weg in die Bucht. Dort angekommen steigen wir aus dem Kajak. Wir waten bis zu den Oberschenkeln ins Wasser und bleiben regungslos stehen. Drei Baby-Seelöwen springen und schwimmen um unsere Beine. Einer berührt mit seiner Flosse sogar meinen Unterschenkel. Meine Gefühle fahren Achterbahn! Während ich mir schon unsere gemeinsame Zukunft vorstelle, verschwinden alle drei aber wieder. Wir gehen an Land, sehen einen weiteren Baby-Seebär auf uns zurennen, der sich zuvor noch auf Steinen sonnte.
Einige Meter vor uns schmeißt er sich abrupt in den Sand und glubscht uns mit seinen viel zu großen, runden Augen an.

Ein kleiner Vorgeschmack zum kommenden Video 🙂

Einige Zeit später stehe ich wieder bis zu den Oberschenkeln im Wasser und warte auf die Baby-Seebären. Ich möchte noch einmal mit ihnen spielen, schaue auf das Meer raus. Von rechts höre ich einen Schrei, drehe meinen Kopf und sehe einen kleinen Seebären auf einem Felsen liegen. Schnell verliere ich das Interesse an ihm und will meinen Blick wieder auf das Meer richten.

Plötzlich sehe ich Mama Seebär keinen Meter vor mir auf mich zuschwimmen. Halb erschrocken – halb gefasst setze ich einen Schritt hinter den anderen, ohne Mama aus den Augen zu lassen. Nach einigen Schritten hat sie mir wohl genug Angst gemacht und dreht wieder um. Ich habe verstanden. Sie auch. Ich werde ihren Baby’s nichts tun. Eine einfache Kommunikation. Kurz darauf tauchen auch die Baby-Seebären wieder auf, rasen auf mich zu und machen direkt vor meinen etwas gespreizten Beinen ein Unterwassersalto. Peitschen mir beim drehen mit ihrer Flosse Wasser ins Gesicht.

Kurze Zeit später bin ich für die drei Jungen allerdings uninteressant geworden und wir beschließen die Bucht zu verlassen um langsam wieder zur Stadt zurück zu paddeln. Als wir uns also auf den Weg machen, schwimmen die drei Jungen noch neben uns her, verabschieden uns ein letztes Mal.

Das Video gibt es im nächsten Blog zu sehen. In exakte fünf Tagen 😉

Anton Neubert
Anton Neubert
wurde 1998 in der Main Metropole Frankfurt geboren. Er liebt es zu reisen und zu fotografieren. Seit Anfang 2017 bloggt er über seine Neuseeland Reise und über verlassene Orte, welche ihn besonders in seinen Bann ziehen.

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